Die übermüdeten Teenager – Warum immer mehr Jugendliche zu wenig schlafen

Die übermüdeten Teenager – Warum immer mehr Jugendliche zu wenig schlafen

Mehr als fünfzig Prozent der Teenager berichten inzwischen von weniger als fünf Stunden Schlaf pro Nacht. Gleichzeitig erreichen immer weniger Jugendliche die empfohlenen acht oder mehr Stunden Schlaf. (Bild: Redaktion/PiPaPu)


Kurzinfo: Schlafmangel bei Jugendlichen

• Neue Analyse basiert auf der Youth Risk Behavior Survey der US-Gesundheitsbehörde CDC
• Mehr als fünfzig Prozent der Jugendlichen berichten von weniger als fünf Stunden Schlaf pro Nacht
• Weniger als ein Viertel erreicht die empfohlenen acht Stunden Schlaf
• Kurzschlaf steht im Zusammenhang mit Depressionen und Angststörungen
• Auch schulische Leistungen können unter Schlafmangel leiden
• Zu wenig Schlaf beeinflusst Gedächtnis und Konzentration
• Körperliche Folgen können erhöhtes Risiko für Übergewicht und Diabetes sein
• Forschende diskutieren spätere Schulanfangszeiten als mögliche Lösung


Die Szene wiederholt sich in vielen Familien jeden Morgen: Der Wecker klingelt, ein Teenager dreht sich noch einmal um, und der Start in den Tag beginnt mit schwerem Augenlidern und schlechter Laune. Müdigkeit gehört für viele Jugendliche inzwischen fast zum Alltag. Neue Daten aus den USA zeigen, dass das Problem größer geworden ist – und dass immer weniger Jugendliche ausreichend schlafen.

Eine aktuelle Auswertung der großen Youth Risk Behavior Survey der US-Gesundheitsbehörde CDC zeigt: Jugendliche schlafen heute deutlich weniger als noch vor anderthalb Jahrzehnten. Mehr als die Hälfte der befragten Teenager berichtet inzwischen von extrem kurzen Nächten mit weniger als fünf Stunden Schlaf.

Ein Problem mit langer Geschichte

Sorge über den Schlaf von Jugendlichen ist kein neues Phänomen. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts diskutierten Mediziner darüber. Eine Studie aus dem Jahr 1905 warnte im Fachjournal The Lancet, dass künstliches Licht in Internaten den Schlaf britischer Schüler verkürze.

In den fünfziger Jahren gerieten dann Radio und Fernsehen in den Verdacht, Jugendliche wach zu halten. Heute sind es Smartphones, Streamingdienste und soziale Netzwerke, die oft als Schlafräuber gelten.

Die Zahlen werden alarmierend

Die neuen Daten stammen aus einer der wichtigsten Langzeitstudien zur Gesundheit von Jugendlichen in den Vereinigten Staaten. Die Youth Risk Behavior Survey sammelt regelmäßig Informationen zu Risikoverhalten, psychischer Gesundheit und Lebensstil.

Der Psychiatrie-Epidemiologe T. Greg Rhee von der UConn School of Medicine analysierte gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen die Daten aus den Jahren 2007 bis 2023. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Anteil der Jugendlichen mit extrem wenig Schlaf ist gestiegen.

Mehr als fünfzig Prozent der Teenager berichten inzwischen von weniger als fünf Stunden Schlaf pro Nacht. Gleichzeitig ist der Anteil der Jugendlichen, die die empfohlenen acht oder mehr Stunden erreichen, gesunken – von über dreißig Prozent im Jahr 2007 auf weniger als fünfundzwanzig Prozent im Jahr 2023.

Folgen für Körper und Psyche

Medizinisch gilt eine Schlafdauer von unter fünf Stunden pro Nacht als sehr kurz. Studien bringen sie mit verschiedenen Gesundheitsproblemen in Verbindung. Dazu gehören Schwierigkeiten bei der emotionalen Regulation, Angststörungen oder depressive Symptome.

Auch die schulische Leistungsfähigkeit kann leiden. Schlaf ist entscheidend für Gedächtnisbildung und Konzentration. Wer dauerhaft übermüdet ist, hat es schwerer, Informationen zu verarbeiten und im Unterricht aufmerksam zu bleiben.

Hinzu kommen körperliche Risiken. Zu wenig Schlaf steht unter anderem im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht oder Diabetes.

Schule beginnt oft zu früh

Viele Fachleute sehen einen strukturellen Grund für das Problem: den Tagesrhythmus der Jugendlichen. In der Pubertät verschiebt sich die innere Uhr nach hinten. Jugendliche werden abends später müde und brauchen morgens länger, um wach zu werden.

Frühe Schulanfangszeiten passen schlecht zu diesem biologischen Rhythmus. Forschende diskutieren deshalb seit Jahren über spätere Unterrichtszeiten.

„Diese Trends zeigen, dass Interventionen auf Bevölkerungsebene notwendig sind. Spätere Schulanfangszeiten können zu längerem Schlaf führen und damit die psychische Gesundheit und die schulische Beteiligung verbessern“, erklärt T. Greg Rhee.

Eine gesellschaftliche Aufgabe

Die Ergebnisse werfen eine größere Frage auf: Wie organisiert eine Gesellschaft den Alltag ihrer Jugendlichen? Hausaufgaben, Sportvereine, Nebenjobs und digitale Unterhaltung konkurrieren um dieselben Stunden.

Viele Fachleute plädieren deshalb für breitere Lösungen – etwa weniger abendliche Verpflichtungen oder besser abgestimmte Schulzeiten.


Originalpublikation:

T. Greg Rhee et al.,

Insufficient Sleep Among US Adolescents Across Behavioral Risk Groups

in: JAMA

DOI: 10.1001/jama.2026.1417

Über den Autor / die Autorin

H.O. Wireless
H.O. Wireless
Die Robo-Journalistin H.O. Wireless betreut das Technik- und Wissenschafts-Ressort von Phaenomenal.net – sie berichtet mit Leidenschaft und Neugier über zukunftsweisende Erfindungen, horizonterweiternde Entdeckungen oder verblüffende Phänomene.

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