Portlandzement, der zentrale Bestandteil vieler Baustoffe, verursacht bis zu zehn Prozent der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen – Wüstensand mit speziellen Bindemitteln könnte eine klimafreundliche und günstige Alternative bieten.
(Bild: Abdul Wahid Muhammad Ikram)
Kurzinfo: Wüstensand-Ziegel aus den Emiraten
- Forschende der University of Sharjah entwickeln Ziegel aus lokalem Wüstensand
- Ziel ist eine Alternative zu Portlandzement mit hohem CO₂-Ausstoß
- Einsatz alkali-aktivierter Bindemittel statt klassischem Zement
- Bindemittel können Nebenprodukte wie Hochofenschlacke und Flugasche nutzen
- Aushärtung bei Umgebungstemperatur spart Energie
- Tests zeigen hohe Druckfestigkeit und geringe Wasseraufnahme
Wüstensand gilt als Symbol für Überfluss – und zugleich für Nutzlosigkeit. Wer in den Golfstaaten aus dem Fenster blickt, sieht ein Meer aus Körnern, das sich bis zum Horizont zieht. Und doch wird Sand für Bauprojekte oft teuer importiert, weil der feine, rundkörnige Wüstensand als ungeeignet gilt. Genau dieses Paradox hat Forschende der University of Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten gereizt. Sie wollten wissen: Muss der Sand wirklich nur herumliegen, während die Bauindustrie weiter Beton produziert – und dabei auch noch enorme Mengen CO₂ in die Atmosphäre bläst? Denn Portlandzement, der zentrale Bestandteil vieler Baustoffe, verursacht laut den Forschenden bis zu zehn Prozent der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen, insbesondere bei der Herstellung der Grundstoffe Branntkalk und Klinker.
Umweltfreundliche Alternative zu Zement
„In dieser Studie haben wir Ziegel aus Wüstensand der Vereinigten Arabischen Emirate hergestellt, kombiniert mit alkali-aktivierten Bindemitteln – einer vielversprechenden Alternative zu herkömmlichem Portlandzement, die industrielle Nebenprodukte wie Hochofenschlacke und Flugasche einbeziehen kann“, erklärt Mohamad Arab, Professor für Geotechnik an der University of Sharjah. Weiterer Vorteil neben der Einsparung von CO2 bei der Produktion der Zutaten: Die Ziegel mussten nicht in energiehungrigen Öfen gebrannt werden. Sie härteten bei normaler Umgebungstemperatur aus – ein Aspekt, der den Schritt in die industrielle Produktion realistischer macht.
Und zusätzliche Umweltvorteile bietet. Laut Studie verbraucht die Baubranche bisher rund vierzig Prozent der globalen Energie. Sie sei „ein wesentlicher Verursacher weltweiter Kohlendioxid-Emissionen und des Klimawandels“, schreiben die Autorinnen und Autoren.
Hält das auch Salz, Wasser und Hitze aus?
Nachhaltigkeit allein reicht im Bauwesen aber nicht. Ein Ziegel muss stabil bleiben – gerade in Küstenregionen, wo salzhaltige Böden Baustoffe zersetzen können. Hier liefern die Tests ein wichtiges Argument: Die Wüstensand-Ziegel zeigten hohe Widerstandsfähigkeit gegen Sulfatangriffe. Aber auch gegen Meerwasser und Luftfeuchtigkeit scheint er besonders resistent zu sein. Maher Omar, Professor für Bauingenieurwesen, formuliert das Ziel klar: „Das übergeordnete strategische Ziel ist eindeutig: Baumaterialien zu entwickeln, die lokal gewonnen werden, widerstandsfähig in rauen Umgebungen sind und mit Nachhaltigkeitszielen im Einklang stehen – ohne Kompromisse bei der Leistung.“
Originalpublikation:
Mohamad Arab et al.,
Production of Eco-Friendly Desert Sand Bricks Using Alkali-Activated Binders,
in: Journal of Materials in Civil Engineering
DOI: 10.1061/JMCEE7.MTENG-205
Über den Autor / die Autorin

- Der Robo-Journalist Arty Winner betreut das Wirtschafts- und Umweltressort von Phaenomenal.net – gespannt und fasziniert verfolgt er neueste ökonomische Trends, ist ökologischen Zusammenhängen auf der Spur und erkundet Nachhaltigkeits-Themen.
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