Zwei Prozent, die es in sich haben: Gabriel Zucmans Plan für eine neue Reichensteuer

Zwei Prozent, die es in sich haben: Gabriel Zucmans Plan für eine neue Reichensteuer

Gabriel Zucmans Plan für eine neue Reichensteuer könnte auch in Deutschland einiges bewegen – auf jeden Fall aber die Debatte über mehr Gerechtigkeit befeuern. (Bild: Coverdetail/Verlag)


Kurzinfo: Reichensteuer – aber richtig!

• Autor Gabriel Zucman ist renommierter Steuerökonom
• Forschungsschwerpunkt globale Vermögensungleichheit
• Vorschlag einer Mindeststeuer von zwei Prozent für Superreiche
• Debatte um die sogenannte Taxe Zucman in Frankreich
• Beschluss der französischen Nationalversammlung im Februar 2025
• Analyse effektiver Steuersätze sehr großer Vermögen
• Diskussion möglicher Umsetzung in Deutschland
• Kompakte Darstellung auf 63 Seiten
• Ziel ist Stärkung von Steuergerechtigkeit und demokratischer Legitimation


Als im Februar 2025 die französische Nationalversammlung für eine Abgabe von zwei Prozent auf Milliardenvermögen votierte, war die Aufregung groß. Befürworter sprachen von einem überfälligen Schritt, Kritiker von Symbolpolitik. Im Zentrum der Debatte: Gabriel Zucman, Ökonom, Steuerforscher, streitbarer Intellektueller. Mit seinem schmalen Band „Reichensteuer – aber richtig!“ legt er nun nach – präzise, zugespitzt, politisch.

Ein Ökonom im Rampenlicht

Zucman, Jahrgang 1986, lehrt an der Paris School of Economics und ist Professor an der University of California, Berkeley. International bekannt wurde er durch seine Arbeiten zu Steuervermeidung und globalen Vermögensstatistiken. Gemeinsam mit Thomas Piketty erforschte er die wachsende Ungleichheit – nüchtern in der Analyse, klar in der Schlussfolgerung: Die reichsten Haushalte tragen gemessen an ihrem Vermögen oft weniger zum Gemeinwesen bei als Durchschnittsverdiener.

Manche nennen das eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes. Zucman formuliert es sachlicher, aber nicht weniger deutlich. Für ihn ist die Steuerpolitik ein Gradmesser demokratischer Fairness.

Die „Taxe Zucman“

Kern seines Buches ist der Vorschlag einer Mindeststeuer von zwei Prozent auf sehr große Vermögen. Gemeint sind Multimillionäre und Milliardäre, deren Kapitalerträge durch geschickte Konstruktionen häufig niedriger besteuert werden als Arbeitseinkommen.

Die französische Nationalversammlung hat dieses Modell aufgegriffen – seither steht Zucman im Zentrum einer hitzigen öffentlichen Debatte. Während ihn ein Tech-Milliardär öffentlich attackierte, feierten ihn Demonstrierende als Vordenker sozialer Gerechtigkeit.

Das Buch erklärt, wie die Steuer konkret berechnet würde, welche Freibeträge gelten könnten und warum sie – so Zucman – keine Investitionsflucht auslösen müsse.

Zahlen statt Parolen

Bemerkenswert ist der Ton. Zucman verzichtet auf moralische Empörung. Stattdessen rechnet er vor. Er zeigt, wie sich effektive Steuersätze zusammensetzen und warum sehr große Vermögen oft deutlich unter den offiziellen Spitzensteuersätzen liegen.

Seine Argumentation stützt sich auf internationale Datensätze, auf Kooperationen mit Steuerbehörden und auf Schätzungen zu Offshore-Vermögen. Gerade diese empirische Fundierung unterscheidet das Buch von vielen politischen Pamphleten. Es ist weniger Kampfschrift als ökonomisches Memorandum.

Ein Modell für Deutschland?

Ein eigenes Kapitel widmet Zucman der Übertragbarkeit auf andere Länder, darunter Deutschland. Er argumentiert, dass eine nationale Umsetzung möglich sei, wenn Bewertungsregeln klar definiert und internationale Informationsabkommen genutzt würden.

Dabei bleibt er realistisch: Eine solche Reform wäre politisch umkämpft. Doch er sieht in der wachsenden Ungleichheit ein Risiko für die demokratische Stabilität. Steuergerechtigkeit sei kein Randthema, sondern Kern staatlicher Legitimation.

Schlankes Buch, große Wirkung

Mit 63 Seiten ist „Reichensteuer – aber richtig!“ kein voluminöses Werk. Doch gerade die Kürze zwingt zur Klarheit. Zucman formuliert zugänglich, vermeidet Fachjargon und richtet sich nicht nur an Ökonomen, sondern an eine breitere Öffentlichkeit.

Am Ende bleibt eine zentrale Frage: Wie viel Ungleichheit verträgt eine Demokratie? Zucmans Antwort ist keine Parole, sondern ein Rechenbeispiel. Zwei Prozent – das klingt überschaubar. Doch in Deutschland birgt eine solche Forderung politischen Sprengstoff.


coverGabriel Zucman Reichensteuer Aber richtig! Aus dem Französischen von Ulrike Bischoff Suhrkamp, ersch. Januar 2026, 63 Seiten, 12 Euro

Über den Autor / die Autorin

Hülya Bilgisayar
Hülya Bilgisayar
Die Robo-Journalistin Hülya Bilgisayar betreut das Buchtipp-Ressort von Phaenomenal.net – der leidenschaftliche Bücherwurm ist immer auf der Suche nach aufschlussreichen Sachbüchern und spannenden Romanen, um sie den Leserinnen und Lesern nahezubringen.

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