Der digitale Kommilitone: KI-Tools verändern den Hochschulalltag

Der digitale Kommilitone: KI-Tools verändern den Hochschulalltag

An vielen Hochschulen gehört der Griff zum KI-Assistenten inzwischen so selbstverständlich zum Lernen wie früher das Nachschlagen im Lehrbuch. Aber auch Lehrende setzen immer öfter auf KI-Unterstützung. (Bild: Redaktion/PiPaPu)


Kurzinfo: KI-Nutzung im Hochschulalltag

• MoKITUL-Studie untersucht Einsatz von KI-Tools im Hochschulalltag an Thüringer Hochschulen im Jahr 2025
• Rund neunzig Prozent der Teilnehmenden nutzen KI für Recherche Textarbeit oder Verständnisfragen
• Studierende greifen etwas häufiger zu KI-Anwendungen als Lehrende im Alltag von Seminaren und Hausarbeiten
• In MINT-Fächern Fokus auf Programmierung Multimedia und technische Anwendungen
• In Sozialwissenschaften stärker genutzt für Datenanalyse Präsentationen Strukturierung komplexer Texte
• Etwa ein Drittel der Lehrenden integriert KI bereits in Lehrveranstaltungen oder Prüfungsformate


Es ist ein gewöhnlicher Vormittag in einer Hochschulbibliothek: Neben aufgeschlagenen Lehrbüchern liegen Laptops, auf deren Bildschirmen Chatfenster flackern. Studierende tippen Fragen ein, lassen Texte zusammenfassen oder prüfen Argumente. Künstliche Intelligenz ist längst Teil des akademischen Alltags geworden. Eine Umfrage des Forschungsprojekts MoKITUL der Fachhochschule Erfurt zeigt nun, wie stark sich Studium und Lehre bereits verändert haben. Rund neunzig Prozent der Befragten nutzen KI-Tools regelmäßig für Recherche, Textarbeit oder Verständnisfragen. Gleichzeitig bleibt eine spürbare Skepsis gegenüber den digitalen Helfern bestehen. Vertrauen in die Antworten der Systeme ist keineswegs selbstverständlich im Hörsaal.

KI als neuer Begleiter im Studium

An vielen Hochschulen gehört der Griff zum KI-Assistenten inzwischen so selbstverständlich zum Lernen wie früher das Nachschlagen im Lehrbuch. Studierende nutzen die Programme vor allem zum Strukturieren von Texten, zum Zusammenfassen wissenschaftlicher Aufsätze und für schnelle Recherchen. Lehrende greifen ebenfalls darauf zurück, etwa um Materialien vorzubereiten oder Beispiele zu entwickeln. Die MoKITUL-Studie basiert auf einer Befragung von 102 Studierenden und Lehrenden an Thüringer Hochschulen im Jahr 2025. Die Ergebnisse zeigen ein Bild zwischen pragmatischer Nutzung und vorsichtiger Distanz. Viele nutzen KI, doch kaum jemand verlässt sich blind auf ihre Vorschläge.

Unterschiede zwischen den Disziplinen

Wer genauer hinschaut, erkennt zudem Unterschiede zwischen den Disziplinen. In den MINT-Fächern dienen KI-Werkzeuge häufig als Unterstützung beim Programmieren oder beim Erstellen von Multimedia. In sozialwissenschaftlichen Studiengängen dagegen geht es eher um Datenanalyse, um Präsentationen oder um die Struktur komplexer Texte. Über alle Fächer hinweg äußern Studierende und Lehrende ähnliche Wünsche. Besonders gefragt sind Werkzeuge, die Recherche erleichtern, Informationen bündeln und große Datenmengen verständlich aufbereiten. Der digitale Assistent soll nicht das Denken ersetzen, sondern den Weg durch den Informationsdschungel verkürzen. Gleichzeitig bleibt der Anspruch wissenschaftlicher Sorgfalt hoch im akademischen Alltag.

Hoffnung auf Entlastung im Arbeitsalltag

Viele Befragte hoffen zudem auf Entlastung im Arbeitsalltag. Wer Hausarbeiten vorbereitet, Seminare plant oder Forschungsstände zusammenstellt, verbringt oft Stunden mit Routinetätigkeiten. Genau hier sehen viele das Potenzial der KI. Sie kann Texte übersetzen, Ideen anstoßen oder erste Gliederungen vorschlagen. Auch in der Lehre eröffnen sich neue Möglichkeiten. Lehrende experimentieren mit KI-gestützten Aufgaben, bei denen Studierende Ergebnisse von Algorithmen analysieren und kritisch bewerten sollen. Prüfungen verschieben sich dadurch teilweise weg vom reinen Faktenwissen hin zu Argumentation, Verständnis und Anwendung von Wissen. Das verändert langsam die Kultur des Studiums.

Vertrauen bleibt eine offene Frage

Doch der digitale Aufbruch hat Schattenseiten. Viele Studierende berichten von fehlerhaften Antworten oder oberflächlichen Analysen der Systeme. Wer sich zu sehr darauf verlässt, riskiert falsche Schlussfolgerungen. Hinzu kommen rechtliche Fragen. Darf man KI-generierte Texte einfach in Seminararbeiten übernehmen. Und welche Daten landen dabei eigentlich auf fremden Servern. Lehrende äußern besonders häufig Bedenken beim Datenschutz und bei der Transparenz der Systeme. Auch die Sorge vor wachsender Abhängigkeit taucht in den Antworten der Befragten auf. Viele wünschen sich deshalb klare Regeln und mehr Orientierung im Umgang mit der Technologie.

Was gute KI-Werkzeuge leisten müssen

Damit KI im Studium dauerhaft akzeptiert wird, formulieren die Befragten klare Erwartungen. Gute Werkzeuge sollen wissenschaftlich arbeiten, leicht verständlich sein und nachvollziehbare Ergebnisse liefern. Entscheidend ist zudem die Qualität der Quellen, auf denen die Systeme beruhen. Wenn Antworten auf verlässlichen Studien und seriösen Daten basieren, wächst auch das Vertrauen der Nutzenden. Hochschulen stehen deshalb vor einer doppelten Aufgabe. Sie müssen Kompetenzen im Umgang mit KI vermitteln und zugleich Regeln für ihren verantwortungsvollen Einsatz entwickeln. Dann könnte der digitale Assistent tatsächlich das werden, was viele heute schon in ihm sehen: ein Werkzeug, das Lernen effizienter macht und zugleich den Blick für gute Fragen schärft im akademischen Alltag künftig.


Originalpublikation:

Wie Künstliche Intelligenz das Studium verändert – Ergebnisse einer Hochschulbefragung

https://ai.fh-erfurt.de/forschung-projekte/forschungsprojekte/mokitul/news/wie-kuenstliche-intelligenz-das-studium-veraendert-ergebnisse-einer-hochschulbefragung

Über den Autor / die Autorin

H.O. Wireless
H.O. Wireless
Die Robo-Journalistin H.O. Wireless betreut das Technik- und Wissenschafts-Ressort von Phaenomenal.net – sie berichtet mit Leidenschaft und Neugier über zukunftsweisende Erfindungen, horizonterweiternde Entdeckungen oder verblüffende Phänomene.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Proudly powered by WordPress