Anfang 2026 nutzen in den USA 43 Prozent der Beschäftigten KI im Job. In Europa sind es im Schnitt nur 32 Prozent – die Folgen zeigen sich bei der gemessenen Arbeitsproduktivität. (Bild: Redaktion/PiPaPu)
Kurzinfo: KI-Nutzung im transatlantischen Vergleich
• Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und internationaler Partner
• Befragung von über 55.000 Beschäftigten in sieben Ländern
• 43 Prozent KI-Nutzung in den USA gegenüber 32 Prozent in Europa
• Deutschland im europäischen Mittelfeld bei Nutzung und Verbreitung
• Deutliche Unterschiede bei Intensität der Nutzung im Arbeitsalltag
• Unternehmensdaten von Eurostat und US Census Bureau ausgewertet
• Managemententscheidungen zentral für KI-Verbreitung
• Zeitersparnis von durchschnittlich 5 bis 6 Prozent der Arbeitszeit
• Zusammenhang zwischen KI-Nutzung und Produktivitätswachstum
• Gefahr wachsender Produktivitätslücke zwischen Europa und USA
In einem Großraumbüro in Frankfurt klickt sich eine Sachbearbeiterin durch Tabellen, E-Mails, Dokumente. In einem vergleichbaren Büro in Chicago, formuliert ein Algorithmus bereits Antworten, analysiert Daten, schlägt Entscheidungen vor. Existieren diesseits und jenseits des Atlantiks existieren zwei Arbeitswelten, die zunehmend auseinanderdriften? Eine neue Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung legt das nahe: Europa nutze Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz deutlich seltener als die USA, wird dort festgestellt. Und das habe konkrete Folgen.
Ein wachsender Abstand
Die Zahlen sind eindeutig: Anfang 2026 nutzen in den USA 43 Prozent der Beschäftigten KI im Job. In Europa sind es im Schnitt nur 32 Prozent. Deutschland liegt genau in diesem Mittelfeld – weder Vorreiter noch Schlusslicht.
Doch der Abstand zeigt sich nicht nur in der Verbreitung, sondern auch in der Intensität. Während in den USA rund 5 Prozent der Arbeitszeit mit KI gearbeitet wird, bleibt Europa deutlich darunter. In Deutschland, Frankreich und Italien sogar bei weniger als einem Drittel dieses Wertes.
Die Dynamik verstärkt sich
Besonders brisant: Die Lücke wächst. Zwar steigt die Nutzung von KI in allen untersuchten Ländern, doch schneller dort, wo sie bereits verbreitet ist – ein klassischer Verstärkungseffekt.
Die Studie basiert auf Umfragen unter mehr als 55.000 Beschäftigten sowie Daten von Behörden wie Eurostat. Ergänzt wird sie durch Unternehmensbefragungen, etwa des US Census Bureau. Das Bild bleibt konsistent: In den USA nutzen 7 Prozent der Unternehmen KI in der Produktion, in Europa sind es im Schnitt 4 Prozent.
Management als Schlüssel
Warum hinkt Europa hinterher? Ein Teil der Antwort liegt in der Belegschaft: Jüngere und höher Gebildete greifen häufiger auf KI zurück. Doch diese Faktoren erklären nur etwa die Hälfte der Unterschiede.
Der Rest liegt im Management. Dort entscheidet sich, ob KI nur ein Schlagwort bleibt oder tatsächlich Teil des Arbeitsalltags wird.
„Wo KI-Tools am Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt und ihre Nutzung aktiv gefördert wird, wenden mehr Beschäftigte sie an“, sagt Jonas Jessen.
„Die Unternehmen haben hier also einen Handlungsspielraum, den sie für ihre Weiterentwicklung nutzen sollten.“
Produktivität als Maßstab
Die Nutzung von KI ist kein Selbstzweck. Sie spart Zeit – im Durchschnitt 5 bis 6 Prozent der Arbeitszeit. Und sie wirkt sich messbar auf die Produktivität aus.
Steigt der Anteil der KI-nutzenden Unternehmen in einem Sektor um 10 Prozentpunkte, wächst die Produktivität um 2 bis 5 Prozentpunkte. Das entspricht in etwa dem gesamten Produktivitätswachstum der Europäischen Union zwischen 2019 und 2024.
Ein vertrautes Muster
Die Entwicklung erinnert an frühere Technologiewellen. Schon seit den 1990er Jahren wachsen die USA schneller, weil sie digitale Technologien früher und intensiver einsetzen.
„Mit dem jetzt schon bestehenden Abstand in der KI-Nutzung ist daher eine noch wachsende Produktivitätslücke zu erwarten, wenn in Europa nicht gegengesteuert wird“, warnt Nicola Fuchs-Schündeln.
„Gerade angesichts der demografischen Entwicklung wird es entscheidend sein, unser Produktivitätswachstum in den nächsten Jahren zu erhöhen.“
Europa steht damit vor einer bekannten Herausforderung – und einer neuen Variante davon. Es geht nicht nur um Technologie, sondern um ihre Anwendung im Alltag. Um Entscheidungen in Vorstandsetagen. Und um die Frage, ob aus Möglichkeiten tatsächlich Praxis wird.
Originalpublikation:
Alexander Bick et al.,
Mind the Gap: AI Adoption in Europe and the US
Brooking Papers on Economic Activity
BPEA Conference Draft, March 26-27, 2026 https://www.brookings.edu/wp-content/uploads/2026/03/6_Bick-et-al_unembargoed.pdf
Über den Autor / die Autorin

- Der Robo-Journalist Arty Winner betreut das Wirtschafts- und Umweltressort von Phaenomenal.net – gespannt und fasziniert verfolgt er neueste ökonomische Trends, ist ökologischen Zusammenhängen auf der Spur und erkundet Nachhaltigkeits-Themen.
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